Unheilig: Endlich am Ende

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Unheilig: Endlich am Ende

Ab diesem Freitag wird die Welt eine bessere sein. Unheilig bringen ihr letztes Album heraus, der Graf verabschiedet sich von den Charts. Bleibt die Frage: Ist es möglich, ohne Zynismus eine Album-Kritik über Unheilig zu schreiben? Leider nein.

Wenn man die hiesigen Charts der vergangenen Jahre betrachtet, könnte man meinen, die Deutschen würden sich in zwei Gruppen aufteilen: Helene Fischer und Unheilig. Dass damit beide Gruppen im Prinzip denselben Musikgeschmack, nur andere Themen haben, dürfte unser Ansehen im Rest der Welt nicht gerade heben. Zumindest der Graf wird nach seinem achten Album Geschichte sein. „Gipfelstürmer“ heißt sein letztes Vermächtnis, das natürlich pünktlich zum Weihnachtsgeschäft erscheint.

Man möchte Menschen, die sich von diesen Texten tröstlich angesprochen fühlen, ja nun wirklich nicht noch eins reinwürgen. Es muss ihnen wirklich schlecht gehen, wenn sie Pathos bis zum Umfallen ertragen, ohne jemals umzufallen. Nein, lassen wir den Zynismus. Aber wie soll man sonst über diese Musik schreiben? Vielleicht einfach in derselben Qualität wie sie selbst ist: Ohne jeden Funken Kreativität oder Anspruch, nach Schema F und auf simpelsten Grundschulniveau. Also gut, Ohren zu und durch.

Das Lied beginnt. Ich höre ein Schlagzeug. Ich höre eine Stimme. Die einen Text singt. Ich höre eine Gitarre. Vielleicht sind es auch mehrere. Ich höre eine Strophe, einen Refrain, eine Strophe, einen Refrain. Jetzt ist das Lied vorbei. Jetzt beginnt das nächste Lied…

Okay, lassen wir das. Noch mal im Ernst: Das Album beginnt wie ein Film von Roland Emmerich endet. Es klingt wie ein bedrohlicher Zug, der hochdramatisch auf den Protagonisten zurast, der da mit dem Kopf auf den Schienen liegt. Ein passendes Bild für den Gefühlszustand des Nicht-Fans, der weiß, dass da noch 15 Songs kommen. Als nächstes hört man sowas wie Rammstein, inklusive dem rollenden „R“ und harten Gitarren. Gibt wohl doch einen Unterschied zur Fischer. Dann kommt der obligatorische Dankesrede-Abschiedssong, das Lied, das auf der großen Abschiedstour 2015 für jede Menge Tränen sorgen wird. Desweiteren hören wir Klavierballaden, echte Streicher und ab und zu einen Kinder- oder Männerchor.

Da sich im Laufe des Albums alles eben beschriebene nur noch mehrmals wiederholt, wollen wir an dieser Stelle abbrechen und uns stattdessen noch kurz den Lebensweisheiten des Grafs widmen. Die Metaphern, die sich auf dem vorletzten Album um die Seefahrt und dem letzten um die Großstadt drehten, sind diesmal der Weisheit der Berge geklaut. Dieses Drei-Konzept-Album-Prinzip ist bei Weitem das Originellste an Unheilig. Reimen hat er übrigens größtenteils hinter sich gelassen, vermutlich weil so aufwendige Textzeilen wie die folgende sonst nicht mehr möglich wären. „Alles was schön ist / Weicht einmal der Zeit / Wie eine Blume die sich öffnet / Im Sonnenstrahl der Dankbarkeit“. Ja, Dankbarkeit, endlich vorbei.