„Saving Mr. Banks“: Walt Disney und die Magie der Mary Poppins

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„Saving Mr. Banks“: Walt Disney und die Magie der Mary Poppins

Die Autorin P.L. Travers wird in diesem Film mit ihrer Kindheit konfrontiert, nachdem sie sich widerwillig auf ein Treffen mit Walt Disney einlässt: Der Trickfilm-Magnat ist seit Jahren hinter den Filmrechten für ihre Mary-Poppins-Romane her. Um den damit eng verbundenen Titel zu entschlüsseln, muss man den Film übrigens gesehen haben.

Die fast wahre Geschichte, die der Film „Saving Mr. Banks“ erzählt, trug sich im Jahr 1961 zu: Walt Disney, gespielt von Tom Hanks (57), hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seit 20 Jahren versucht, der Schriftstellerin Pamela „P.L.“ Travers die Filmrechte an ihrem mehrbändigen Erfolgsroman „Mary Poppins“ abzukaufen – ohne Erfolg. Zu eisern ist die englische Lady, in deren Rolle die britische Schauspielerin Emma Thompson (54) stilecht zu schlüpfen weiß.

Schließlich ist es die Geldnot, die Mrs. Travers zwingt, das konservative London in Richtung Los Angeles zu verlassen, um Disneys Einladung in sein knallbuntes Reich zu folgen. Mit dem kühlen Blick einer standesbewussten Engländerin will sie sich ansehen, wie der amerikanische Selfmade-Man gedenkt, ihre Mary Poppins auf die Leinwand zu bringen. Schnell wird klar, dass die stolze Schöpferin des magischen Kindermädchens nur gekommen ist, um allen am Film Beteiligten das Leben schwer zu machen.

Aber es fällt ihrem kolonialen Selbstverständnis zunehmend schwer, sich gegen die Anziehungskraft der wohltuend warmen Zuckerguss-Kultur Hollywoods zu wehren. An dieser Stelle kommen die überraschend einschneidenden Rückblenden ins Spiel, die den Film oftmals in letzter Minute vor zu viel Kitsch bewahren und neben dem Gegensatzpaar USA-Großbritannien noch eine dritte Ebene eröffnen: Australien, der Ort von Travers‘ Kindheit. Ihrem seelischen Niemandsland zwischen spielerischer Sorglosigkeit und lebenslangen Narben.

Hier dreht sich alles um die tragische Beziehung zum innig geliebten, aber alkoholkranken Vater, gespielt von Colin Farrell (37). Um ihre erschütternden Erinnerungen zu schönen, erfindet Travers die märchenhafte Mary Poppins. Und es schließt sich der Kreis dieses Films von Regisseur John Lee Hancock (57): Auch Walt Disney hat sich als Kind mit Mickey Mouse eine Zufluchtsfigur gezeichnet: „Das machen wir Geschichtenerzähler so. Wir bringen die Dinge wieder in Ordnung – mit Fantasie“, sagt der Vater des Trickfilms denn auch zur Mutter der fliegenden Nannys.

Alles in allem ist „Saving Mr. Banks“ ein Frühlingsfilm: Er handelt von Neuanfängen, vom Aufbruch, vom Staubwischen im Unterbewusstsein. Zum Vorschein kommen verletzliche Charaktere, die sich hinter ihren kommerziell erfolgreichen Fantasie-Figuren verstecken und von überzeugenden Hauptdarstellern gemimt werden. Bunt, aber nicht schrill, aufdringlich, aber nicht unangenehm. Ein Streifen, den man sich ansehen kann, wenn einem nach Kino ist, aber sonst nichts läuft.