Bodenski: „Verbrechen an den Kleinen sind am grausamsten“

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Bodenski: „Verbrechen an den Kleinen sind am grausamsten“

Harte Schale, weicher Kern: Das trifft ganz gut auf die Folk-Metal-Band Subway to Sally zu. Die veröffentlichen ein ganzes Album über Gruselgeschichten, erzählen aber im Interview mit spot on news, dass sie sich im Privatleben für Kinder einsetzen.

Ein ganzes Musikalbum voller Gruselgeschichten: Das hat sich die Potsdamer Folk-Metal-Band Subway to Sally getraut. Zur Entstehung ihres zwölften Studioalbums, hat sich das Septett gefragt: „Braucht die Welt noch ein weiteres Album?“ Scheinbar lautete die Antwort: Ja. Denn „Mitgift“ kommt am 13. April auf den Markt. Motto: Mördergeschichten. „In diesem Album haben wir Kriminalfälle aus mehreren Jahrhunderten zusammengetragen, um daraus Texte und Songs zu machen“, erzählte Gitarrist Michael „Bodenski“ Boden im Interview mit spot on news. Außerdem verrät er, was seiner Meinung nach das schlimmste Verbrechen ist, und warum er solche Täter trotzdem nicht mit dem Tod bestrafen würde.

spot on news: Was ist Ihrer Meinung nach das schlimmste Verbrechen, das man begehen kann?

Michael „Bodenski“ Boden: Die schlimmsten Verbrechen sind meiner Meinung nach die, die an den wehrlosesten Geschöpfen verübt werden. Das sind in unserer Gesellschaft die Kinder. Verbrechen an den Kleinen sind umso grausamer. Das kommt immer wieder auf – fängt zum Beispiel bei Kinderpornografie an. Wenn die Band etwas spendet, dann geht das immer in Prävention von Kindesmissbrauch. Dafür stehen wir auch privat ein. Wir haben fast alle selber Kinder.

Wie würden Sie Straftäter, die sich des Missbrauchs an Kindern schuldig gemacht haben, bestrafen?

Bodenski: Ich bin kein Strafrechtler, glaube aber, dass wir großes Glück haben, in einer Gesellschaft zu leben – so verkommen sie auch sein mag – die ein demokratischer Rechtsstaat ist. Wir haben nun mal bestimmte Strafen für bestimmte Taten. Man überführt einen Täter und gibt ihm eine Chance, sich zu rechtfertigen. Ich bin ein absoluter Gegner der Todesstrafe. Wir haben nicht das Recht, Gott zu spielen und wir müssen unsere Menschlichkeit bewahren, auch im Angesicht von Verbrechen.

Worauf haben Sie bei der Entstehung der Lieder von „Mitgift“ besonders geachtet?

Bodenski: Unser Sänger versteht sich gut darauf, in andere Rollen zu schlüpfen. Er ist nicht immer nur ein Komponist oder Beobachter, sondern er schlüpft auch in die Rolle des Täters. Aber nie voyeuristisch. Wir wollen auch den Prozess beleuchten, wie Liebe in Hass umschlagen kann. Und dies dann zu Morden führt, ob aus Eifersucht oder aus Leidenschaft.

Können Sie Verständnis für die Täter empfinden?

Bodenski: Nein, gar nicht! Es geht in unseren Liedern auch nicht darum, Verständnis zu zeigen. Wir versuchen sicherlich nichts zu beschönigen, dafür sind die Themen auch viel zu grausig. Im besten Fall ist es so, dass man es schafft die Leute für etwas zu interessieren und sich selber fragen, im ganz Kleinen: Wo fängt das bei einem selber an? Und da hoffen wir, dass „Subway to Sally“ eine Band sind, die interessanter ist, als dieses ewige „Hoch die Tassen, lasst uns den Met austrinken“. Das war noch nie so unser Ding.

Haben Sie bei der Arbeit an „Mitgift“ eine Antwort auf die Fragen gefunden, wann Menschen zu Monstern werden?

Bodenski: Das ist jetzt eine der ganz großen Frage der Menschheit. Und es gibt auch nicht die Antwort. Ich glaube, dass das ganze Leben eines Menschen voller Einflüsse ist. Verbrechen beginnt im Kleinen. Man muss schon im engsten familiären Raum damit anfangen, kleine Kinder zu einem guten Menschen zu erziehen.

Sie haben sich sehr mit Kriminalität auseinandergesetzt. Hat Sie das dann auch im Alltag verfolgt?

Bodenski: Das verfolgt einen sehr. Es gibt ein Sprichwort, dass mich schon seit vielen Jahren begleitet. Es lautet: Wer einen Hammer hat, sieht überall Nägel. Und so ähnlich muss man sich das vorstellen. Man liest ganz anders die Zeitung, man wählt zum Lesen ganz andere Bücher aus und man ist immer auf Empfang. Aber wenn wir ins Studio gehen und die Platte aufnehmen, können wir den Schalter auch umlegen. Dann geht es einfach nur um die Musik.

Wie ist es denn für ihre Kinder, Rocker-Eltern zu haben?

Bodenski: Keine Ahnung. Die sind ja da reingewachsen. Die Kinder sind unheimlich stolz auf ihre Eltern. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Fans von der Musik sind. Meine Tochter hat einen ganz anderen Musikgeschmack. Die würde das, was wir machen, jetzt nicht besonders toll finden. Aber in der Erziehung sollten eher andere Dinge eine Rolle spielen. Man kann ja auch einen Feuerwehrmann zum Vater haben. Und dann löscht der halt einen Brand. Man ist genauso stolz.

Was hättet ihr beruflich gemacht, wenn es nicht mit „Subway to Sally“ geklappt hätte?

Bodenski: Wir haben alles in der Band. Vom studierten Geologen bis zum Kulturwissenschaftler. Wir hätten uns nie kennengelernt. Aus mir wäre wahrscheinlich ein Lehrer für Deutsch und Geschichte geworden.