Aydo Abay: „Wir sind alle etwas gestört“

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Aydo Abay: „Wir sind alle etwas gestört“

Von Blackmail über KEN bis zu ABAY - Sänger Aydo Abay kehrt mit einem neuen Musikprojekt zurück auf die Bühne. Seit Ende April ist die erste Single "I Have A Dream" draußen und hat seine Fans aus den alten Rocker-Tagen überrascht. Im Interview mit spot on news erklärt Abay, warum er plötzlich ABBA covert.

– Das ist doch dieser krasse Sänger, der sich von Blackmail getrennt hat… Auch, aber das ist schon etwas her und außerdem ist er immer noch krass. Mit seinem neuesten Musikprojekt ABAY meldet sich der Singer-Songwriter in der Welt der Töne zurück und das anders, als man es wohl erwartet hätte. Inspiriert von ABBA und Scooter zeigt der 40-Jährige, wie groß sein musikalisches Repertoire ist. Mit der Nachrichtenagentur spot on news hat Abay über seine neuen Songs, Blackmail und die Kunst von Pop-Musik gesprochen.

ABBA und Scooter sind so weit voneinander entfernt, wie Pluto und Merkur. Was verbindet Sie besonders mit „Always Hardcore“ und was hat Sie an dieser Kontroverse zwischen beiden Bands und Liedern gereizt?

Aydo Abay: Ich mag das dadaistische in H.P. Baxxters Texten. Man kann viel und nichts in die Parolen hinein interpretieren. Zusammengefügt wirken sie kraftvoll und gleichzeitig absurd. Erstaunlich finde ich es auch, dass jeder spätestens beim Refrain weiß, das es Scooter-Zitate sind. Das muss man erstmal schaffen. ABBA sind Kindheitserinnerungen. In meinem Herzen sind beide Bands allerdings an verschiedenen Stellen abgelegt.

Würden Sie sich auch an ein Cover von einem Blackmail-Song wagen, beziehungsweise wäre
dies überhaupt eine Überlegung für Sie wert?

Abay: Einer der Gründe meine neue Band ABAY zu nennen war, alle Projekte der Vergangenheit unter einen Hut zu bringen und die Möglichkeit zu haben, aus dem Vollen zu schöpfen. Natürlich wird es da auch Blackmail-Songs im Live-Reportoire geben. Von „wagen“ kann eh nicht die Rede sein, da es ja immerhin auch meine Songs sind. Ich hatte ewig keine Lust auf die Vergangenheit, aber jetzt habe ich meinen Frieden mit ihr geschlossen.

Gibt es ein Lied, das Ihrer Meinung nach nie gecovert werden sollte und wenn ja, was ist der
Grund dafür?

Abay: Eigentlich nicht. Bestes Beispiel ist „Hurt“ von Nine Inch Nails. Im Original eigentlich unantastbar erhaben, doch Johnny Cash hievt den Song dann in eine andere Ebene. Ich bin der Meinung, dass man alles erstmal ausprobieren sollte. Am Ende merkt man schon, ob man richtig liegt oder nicht. Hauptsache, man setzt der Bearbeitung seinen Stempel auf, ohne den Respekt vor dem Original zu verlieren.

Wie haben Sie es geschafft, an Benny Andersson und Björn Ulvaeus zu kommen und beide von Ihrem Cover zu überzeugen?

Abay: Wir haben den Song zur Freigabe an den Verlag geschickt und eher mit einer Absage gerechnet. Zumal die Dame aus Deutschland es für sehr unwahrscheinlich hielt, dass die Herren überhaupt darauf reagieren. Aber es kam anders. Eine Woche später kam die Freigabe. Ich kann Ihnen versichern, dass Bene und ich ganz schön baff waren. Ich kenne nur eine weitere Bearbeitung, die freigeben wurde, und das war die von Madonna. Alle anderen Versionen sind 1:1 Versionen, da muss man ja eh nicht fragen. Ich denke, wir haben alles richtig gemacht.

Was ging in Ihnen vor, als sich dann auch noch Lettermans „Late Night“ bei Ihnen gemeldet hat? Wie ging es damit weiter?

Abay: Kurz nach der Freigabe erhielten wir eine Mail von deren Redaktion, dass sie unsere ABBA-Version gehört hätten und sie fragten nach Promotion-Material. Wir wissen bis heute nicht, wie sie an unsere Version gelangt sind. Man weiß nicht, was man denken soll. Zumal keinerlei weitere Informationen in der Mail hinzugefügt waren. Das Promotion-Material haben wir jetzt zusammengetragen und schicken es die Tage los. Mal sehen, was die wollen. Ich würde sogar die Flüge selber zahlen, um dort spielen zu können.

Nach Blackmail, crash:conspiracy und KEN geht es mit Ihnen bei ABAY weiter. Wird dieses Projekt nun das, was Sie immer gewollt haben, oder ist es für Sie eher ein weiterer Schritt in die richtige Richtung? Haben Sie ein festes Ziel, das Sie erreichen wollen?

Abay: Die erste Zeile auf dem kommenden Album wird „Now that I have found, what I was looking for…“ sein. Ich scheine im Moment gefunden zu haben, wonach ich gesucht habe. Es fühlt sich alles gut an. Ziele gibt es immer, ob man sie erreicht oder nicht ist zweitrangig. Hauptsache machen und sich gut dabei fühlen. Natürlich will man Menschen damit erreichen, aber da hat man leider keinen Einfluss drauf. Dinge gehen ihren Weg. Wir werden sehen. Ich fühle mich in meiner Haut auf jeden Fall sehr wohl und freue mich auf die Reise.

In einer Pressemitteilung sagen Sie: „Wir machen Post-Pop. In unserer Musik steckt alles, was Pop braucht – Strukturen, Melodien, Gefühl und feinste Kleinarbeit. Ekelhaft. Pop ist viel Arbeit.“ Was genau ist daran ekelhaft?

Abay: „Ekelhaft“ ist eigentlich nur die Arbeit. Man ist ständig auf Fehlersuche und leider wird man auch immer fündig. Sei es ein Sound, ein Wort, ein Ton… im Pop ist alles so transparent, präsent und vor allem genannte Fehler sehr aufdringlich. Wir sind jetzt seit drei Jahren an dieser Platte dran. Es gibt Songs, die wurden zum Teil sechs mal aufgenommen und es gibt immer noch Störfaktoren. Im Rock/Punk/Alternative oder was auch immer, fällt das nicht so schwer ins Gewicht. Man hört Fehler irgendwie nicht, will sie nicht hören oder redet sich ein, dass sie dazugehören.

Ihr Album soll im Herbst erscheinen. Arbeiten Sie noch an der Platte? Welche Entwicklung wird es geben und was können wir von Ihnen erwarten?

Abay: Wir sind gerade in den letzten Zügen. Ich muss noch drei Stücke singen und dann wird gemischt. Als wir mit dem Album begonnen haben, wollten wir die Atmosphäre von „Songs of Faith and Devotion“ von Depeche Mode einfangen. Die Idee ist hier und da noch spürbar, aber eigentlich nicht mehr vorhanden. Es wird große Gefühle und Pathos geben, sehr dunkle und sehr helle Momente, sehr viele Zitate und eine Prise Humor.

Was ist für Sie das Beste an Ihrem neuen Musikprojekt?

Abay: Die wundervollen Menschen um mich herum. Wir sind alle etwas gestört, nicht einfach und gehören eigentlich in eine geschlossene Anstalt. Der Kompromiss, den wir mit unserer Umwelt und dem Leben an sich eingegangen sind, erlaubt es uns, zu existieren, aber eigentlich sind wir alle kaputt. Das gilt im Grunde genommen für mein ganzes Umfeld. Es ist bizarr, aber auch wunderschön! Zumindest bleibt es jeden Tag spannend.

Was war für Sie in letzter Zeit die größte Herausforderung und warum? Wie haben Sie sie bewältigt?

Abay: Herausforderungen gibt es im Grunde genommen jeden Tag. Man kann sich ihnen nur stellen und versuchen, das Beste aus jeder Situation zu holen. „Jeden Tag eine gute Tat“ ist schon mal ein guter Ansatz. Gelingt nicht immer, aber wenn doch, dann war es ein guter Tag!